Die faszinierende Welt der Dampfmaschinen hat Peter Wyss seit jeher in ihren Bann gezogen. 34 Jahre lang war er das Herz und die Seele des Maschinenraums auf dem DS Lötschberg. Am Ende dieser Saison tritt Wyss in den wohlverdienten Ruhestand, doch seine Erinnerungen und Erfahrungen werden ihn stets begleiten.
Monoton klopft die Dampfmaschine, eine Pumpe zischt, die Lüftung brummt, dann läutet eine Glocke. Inmitten dieser Symphonie im Maschinenraum des Dampfschiffs Lötschberg steht Peter Wyss in konzentrierter Ruhe. Der Maschinist zieht an einem Hebel, dreht an einem Rad, dirigiert die Maschine. Jeder Handgriff sitzt. Seit 34 Jahren arbeitet Wyss auf den Schiffen des Brienzersees, die meiste Zeit im Maschinenraum des Dampfschiffs. Am Ende der Saison geht er in Pension.
«In dieser Zeit hat sich viel verändert, was die Arbeit interessant gemacht hat», reflektiert Wyss sein Berufsleben. Er erzählt zum Beispiel von der Stromproduktion auf dem Dampfschiff: Am Anfang wurde der Strom mit einem Dampfmotor erzeugt, später mit einer Dampfturbine, heute mit einem Dieselmotor. Die Steuerung des Kessels wurde digitalisiert und kürzlich auf eine Bedienung per Touchpad umgestellt. «Die Verbindung von Alt und Neu, wie das Neue das Alte ergänzt, das ist spannend.»
Abkühlung, Ruhe und Abwechslung findet Peter Wyss im Winter. Dann arbeitet er nicht wie die meisten Nautikerinnen und Nautiker in der Werft, sondern in den Bergen. Er ist Skilehrer, trainiert unter anderen seine Tochter Martina, Weltmeisterin im Telemark (2023), und präpariert Pisten, zum Beispiel jene für den Slalom am Lauberhorn. «Hitze und Kälte machen mir nichts aus», sagt Wyss. «Für mich ist das ein super Ausgleich, so habe ich immer eine tolle Motivation für beide Jobs.»
Das nautische Handwerk hat Peter Wyss am anderen Ende der Welt gelernt. In seiner Jugend verbrachte er vier Jahre in Australien. Dort arbeitete er auf Fischerbooten und wurde schliesslich Schiffsführer. Zurück in der Schweiz nahm er eine Stelle als Lokführer bei der Brienz Rothorn Bahn an, bevor ihn ein Kollege zur Schifffahrt abwarb. Er durchlief die übliche Ausbildung zum Matrosen und zum Kassier. Die Faszination der Dampfmaschine zog ihn in den Maschinenraum des Dampfschiffs und liess ihn nicht mehr los.
«Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst», sagt Peter Wyss. Damit macht er deutlich, dass er mehr ist als der verlängerte Arm des Kapitäns. Ein Bedienungsfehler kann die Dampfmaschine schwer beschädigen oder das Schiff gefährden, wenn es zum Beispiel an der Ländte nicht rechtzeitig zum Stehen kommt. Dabei hilft ihm seine Erfahrung und sein Bauchgefühl. «Ich kann mich auf den jeweiligen Schiffsführer einstellen», sagt Wyss. Er weiss, bei wem er die Befehle, die ihn durch das Sprachrohr erreichen, schnell befolgen und bei wem er sich etwas Zeit lassen muss. «Sonst bleibt das Schiff schon vor der Ländte stehen,» fügt er verschmitzt hinzu. Ein paar Mal hat er in seiner Laufbahn auch ein Notmanöver machen müssen: «Da merkt man schon: Jetzt muss ich es bringen.» Die Dampfmaschine so schnell wie möglich von vorwärts auf rückwärts umzusteuern sei sehr anspruchsvoll für den Maschinisten und eine grosse Belastung für die Maschine.
Auf dem Deck unterhalten sich Passagiere, besorgte Eltern rufen nach ihren Kindern, andere stehen am Geländer und schauen dem Maschinisten bei der Arbeit zu. Ihn störts nicht. «Ich freue mich über das Interesse», sagt Peter Wyss. Dennoch geniesst er es, etwas abseits des Trubels im Maschinenraum. «Mir gefällt es hier unten. Ich bin immer gern zur Arbeit gegangen», sagt er. Jetzt bricht er zu neuen Ufern, ohne Dampfmaschine, dafür mit Dankbarkeit und Erinnerungen an die Kameradschaft auf dem Brienzersee.