VEREIN

Das Feuer erhalten

Die Begeisterung für die Dampfschiffe ist geblieben, die Herausforderungen haben sich geändert.

Die Dampfschiffe Blümlisalp und Lötschberg sind nicht mehr von den Berner Oberländer Seen wegzudenken. Wozu braucht es da noch Unterstützung durch die Dampferfreunde? Zum 30. Geburtstag des Vereins haben wir darüber mit dem aktuellen und dem ehemaligen Präsidenten gesprochen.

Gerhard Schmid, du warst der erste Präsident. Was war das vor 30 Jahren für eine Zeit?

Es war eine andere Zeit. Nachdem die Dampfschiffe Stadt Bern, Helvetia, Beatus und Bubenberg der Reihe nach vom Thunersee verschwunden waren, hat der Verwaltungsrat der BLS entschieden, auch die Blümlisalp zu verschrotten. Am 1. August 1971 ist sie das letzte Mal gefahren, unter trauriger Anteilnahme einer bedrückten Bevölkerung. Dieses Ereignis hat die Dampfschiff-Fans richtig wachgerüttelt und vereint.

Wie ging es dann weiter?

Mit dem Ziel, ein Dampfmaschinenmuseum aufzubauen, wurde die Genossenschaft Vaporama gegründet. Die Blümlisalp sollte als Ausstellungsobjekt Nr. 1 dienen. Sie konnte auf private Initiative hin ins Kanderdelta, eine Bucht am Thunersee, in Sicherheit gebracht werden. Dort vegetierte das Dampfschiff beinahe 20 Jahre lang vor sich hin und wurde von Vandalen arg in Mitleidenschaft gezogen. Dank einer einmaligen Volksbewegung konnten wir das Schiff wieder in Betrieb nehmen.

Wie ist das gelungen?

Wir konnten mit einer nationalen Sammelaktion insgesamt 10 Millionen Franken sammeln. Dieser Erfolg wurde mit Hunderten von kleinen und grösseren Aktionen und Anlässen mit Spenden aus der ganzen Schweiz erzielt. Wir haben parallel eine Volksinitiative ergriffen, damit der Kanton eine Defizitgarantie für den Betrieb des Dampfschiffs übernimmt. Die Abstimmung haben wir mit überwältigendem Mehr gewonnen.

1992 kam die Blümlisalp auf den Thunersee zurück. Warum wurde danach der Verein Dampferfreunde gegründet?

Am 22. Mai 1992 konnte unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung die zweite Jungfernfahrt der Blümlisalp gefeiert werden. Mir war damals klar, dass nun ein Förderverein nach dem Vorbild der Dampferfreunde am Vierwaldstättersee gegründet werden muss, um zu verhindern, dass das Schiff plötzlich wieder für überflüssig erklärt wird. Unterhalt und Betrieb eines Dampfschiffs sind teurer als bei einem modernen Motorschiff. Ziel war es deshalb, den Schiffsbetrieb zu unterstützen und so den zukünftigen regelmässigen Betrieb zu sichern.

Welcher war dein Höhepunkt in 24 Jahren Präsidium?

Die bisherigen Höhepunkte des Vereins waren sicher die Grossrenovationen 2000/01 der Lötschberg und 2005/06 der Blümlisalp, bei denen die Dampferfreunde je über eine Million Franken investiert haben. Dabei ging es stets darum, nach denkmalpflegerischen Grundsätzen zu handeln und sich dem Originalzustand der Schiffe zu nähern. Das hat dazu geführt, dass die Lötschberg vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) für die sorgfältige Renovation eine besondere Auszeichnung erhielt.

David Beeler, du bist aktuell Präsident. Welchen Stellenwert haben die Dampfschiffe heute?

Heute sind die Raddampfschiffe Lötschberg und Blümlisalp unbestritten, es kommt niemand auf die Idee, die Schiffe aus dem Betrieb zu nehmen. Die Publikumslieblinge werden vom Personal mit Herzblut gepflegt und sind während der ganzen Sommersaison im täglichen Fahrplaneinsatz.

Wozu braucht es den Verein denn noch?

Es braucht diese Vereine mehr denn je! Dampfschiffe sind sowohl im Betrieb wie auch im Unterhalt deutlich teurer als vergleichbar grosse moderne Schiffe. Die Schiffsbetriebe sind allesamt knapp selbsttragend. Es liegt daher nahe, die vielen Freunde der Dampfschiffe einzuladen, sich an den Mehrkosten zu beteiligen, Sympathie in klingende Münze umzuwandeln. Die Dampferfreunde stellen diese Mittlerfunktion sicher. Wir sind Geldsammelorganisationen und stehen dafür ein, dass die Gelder zweckgebunden für die Dampfer verwendet werden.

Was sind die aktuellen Herausforderungen?

Es ist schlicht und einfach so, dass unsere Gründergeneration heute 80-jährig und älter ist. Wir müssen jetzt die nächste und die übernächste Generation ansprechen. Stichworte sind nicht mehr Vereinsblätter, sondern (noch) die Website, dann soziale Medien wie Facebook, Instagram und Co. Spendenbriefe sind heute Teil eines professionellen Fundraisings, QR-Code und Twint haben Einzug gehalten. Und es funktioniert: Auch die «Jungen» wollen echte Kulturgüter im Betrieb erhalten, wollen (Dampf-)Technik erleben können, und sie tun dies in Form von grosszügigen Spenden kund.

Jetzt Dampferfreund*in werden

Mit Ihrer Dampffreundschaft und einem jährlichen Beitrag ab 30 Franken engagieren Sie sich für eine gute Sache und profitieren von speziellen Angeboten.

Wie engagiert sich der Verein für den Erhalt der Dampfschiffe?

Wir unterhalten mehrere Plattformen im Internet, auf denen wir mit Bildern und Videos die Begeisterung für die Dampfschiffe teilen, erhalten und wecken. Dazu gehören unsere Website sowie Seiten bei Facebook, Instagram und YouTube. Fans können dort zum Teil auch selbst Bilder teilen und sich beteiligen. In gedruckter Form geben wir zweimal im Jahr das Dampfblatt heraus. Zudem betreiben wir ein professionelles Fundraising. Mit den gesammelten Geldern können die Mehrkosten im Betrieb und Unterhalt mindestens teilweise gedeckt werden.

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