DS BLÜMLISALP

Elektronik macht Dampf

Selbst die historische Blümlisalp kann ohne Elektronik nicht fahren. Diese muss im Winter 2023/24 ersetzt werden.

Modernes steuert Historisches

Sie riecht, schnaubt, bewegt Schaufelräder und Gemüter: Die bald 120-jährige Dampfmaschine auf der Blümlisalp vermag selbst Kinder in ihren Bann zu ziehen. Weit weniger spektakulär arbeiten im Hintergrund Leiterplatten, Messsonden und andere elektronische Bauteile. Sie steuern den Brenner, überwachen den Kessel und sorgen dafür, dass immer genügend Dampf zur Verfügung steht. Diese Elektronik muss im Winter ersetzt werden. Dazu kommt das Dampfschiff Blümlisalp nach Saisonschluss im Oktober in die Werft.

Steuerungskonzept aus dem Jahr 1992

«Die elektronischen Bauteile des Brenners sind am Ende ihres Lebens angelangt»,, erklärt Martin Bischoff, Leiter Technik bei der BLS Schifffahrt AG. Elektronische Ersatzteile sind nicht mehr alle verfügbar. Zwar seien einzelne Komponenten ausgetauscht worden, doch das Konzept der Steuerung stamme aus der Zeit der zweiten Jungfernfahrt im Jahr 1992. Wem das ein Begriff ist: Aus dieser Zeit stammt auch der damals beliebte Heimcomputer Amiga 500. Auf der Blümlisalp eingebaut wird dieselbe Steuerung, die seit 2018 auf dem Dampfschiff Lötschberg eingesetzt wird.  

Komplexe Sache

Was simpel tönt, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen an Bord der Blümlisalp als komplexe Aufgabe. Dicke Kabelstränge verlaufen durch den Kesselraum, zahlreiche Sonden messen Druck, Temperatur und andere für den Heizer wichtige Werte. Dargestellt werden die Resultate auf Anzeigen zum Teil im Kesselraum, zum Teil im Maschinenraum. Im Zentrum stehen mehrere Schränke voller Elektronik. All das muss ersetzt werden.

Erleichterte Bedienung dank Touchpad

Neu wird der Heizer das Erzeugen des Dampfs mit einem Touchpad zentral überwachen und beeinflussen können. Denn die neue Steuerung kann den Menschen nicht ersetzen. «Es ist eine Komfortsteigerung. Die neue Steuerung erleichtert dem Heizer die Arbeit», sagt Martin Bischoff. Zudem könne etwas Treibstoff gespart werden, was die Kosten senkt und die Umwelt schont. Der genaue Umfang lässt sich nicht im Voraus berechnen. Die Blümlisalp verbraucht zurzeit 10 bis 12 Liter Heizöl pro Kilometer, bei der Lötschberg sind es ungefähr 8 bis 10 Liter. Der Umbau kostet rund eine Viertelmillion Franken. Er dauert so lange, dass die der Winterdampfschifffahrt dieses Jahr ausfallen muss.

Weitere spezielle Unterhaltsarbeiten

Neben dem regulären Unterhalt stehen weitere Arbeiten am Dampfschiff auf dem Programm: Die Scheuerliste, die Stösse an der Ländte abfedert, wird neu gestrichen. Ein Leck in der Toilettenanlage muss geflickt werden. Die Schiffsschale wird kontrolliert. Und vielleicht wird auf dem Vordeck der ersten Klasse ein Sonnensegel montiert. «Nach zahlreichen Reklamationen von Kunden haben wir auf dem Dampfschiff Lötschberg bereits für diese Saison ein solches Sonnensegel installiert», sagt Martin Bischoff. Die Reaktionen darauf werden nun ausgewertet.

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