Meister der mechanischen Kunst

Anton Fuhrer aus Ringgenberg ist ein Mechaniker alter Schule. Er stellt Ersatzteile für das Dampfschiff Lötschberg her.

In Fuhrers Reich

Ein Rolltor rattert nach oben und gibt den Blick frei in Anton Fuhrers Reich. Hinter zwei Motorbooten steht ein zerlegter Oldtimer, an den Wänden stapeln sich Pneus, es riecht nach Gummi und Abgasen, aus versteckten Lautsprechern ertönt rockige Musik. Es könnte eine gewöhnliche Autowerkstatt sein, stünde da nicht etwas weiter hinten eine Maschine von der Grösse eines Lastwagens. Es ist eine computergesteuerte Fräsmaschine, die automatisch aus einem Magazin mit 32 Werkzeugen das passende auswählt und bis zu drei Meter lange Werkstücke auf den tausendstel Millimeter genau bearbeiten kann.

Anton Fuhrer in seiner Werkstatt

Von Pfeifen bis Lagerbüchsen

«Für Berner Oberländer Verhältnisse ist das eine grosse Maschine», bestätigt Anton Fuhrer stolz. Auf dem Maschinentisch lag bereits die Pfeife des Dampfschiffs Lötschberg. «Der Dichtungssitz war kaputt, ich habe ihn ausgefräst», sagt Fuhrer und ergänzt: «Sie tönt doch immer so schön!» Die Pfeife ist eines von vielen Teilen des Dampfschiffs, die er in seiner Werkstatt in Ringgenberg repariert oder hergestellt hat. Derzeit fertigt er neue Lagerbüchsen für die Schaufeln der Schaufelräder an.

Das Wellenlager beim Schaufelrad

Liebe zu öligen, dreckigen Fingern

«Ölige, dreckige Finger, ich liebe das», schwärmt Fuhrer. Eisen rieche gut, wenn man es mit Schneideöl schmiert und beim Bearbeiten ein Räuchlein aufsteigt. «Ich bin ein Metalliger, ich löse gerne mechanische Probleme», fügt er an. Seit seiner Jugend hat er mit Metall zu tun. 1961 übernahm sein Vater die Werkstatt, die damals noch «ein kleines Budeli» gewesen sei. Im Verlauf der Jahre hat sich das Unternehmen auf Hochregallager und Lager für grosse Eisenbahn und Autobahnbrücken spezialisiert. Die Zahlen dazu lassen einen schwindlig werden. Er erzählt von einer 1,5 Kilometer langen Lagerhalle in Holland oder von einem Rolllager, das 500 Tonnen pro Fuss tragen kann. Damals hat er fast ausschliesslich für Europa gearbeitet. Oft war er tagelang unterwegs, um Aufträge zu akquirieren und Baustellen zu überwachen. Der Stress war nicht gut für seine Gesundheit, der Eurokurs schwächelte und der Markt veränderte sich. So musste Fuhrer das Unternehmen schrumpfen und arbeitet heute wieder als Einzelkämpfer in seiner amtw GmbH. Er erledigt mechanische Arbeiten, wartet Motoren von Motorbooten oder verkauft und montiert Autoreifen.

Die Hälfte eines Wellenlagers

Handwerkskunst für das DS Lötschberg

Womit wir wieder im gewöhnlichen Teil der Autowerkstatt sind, wo auch der Oldtimer steht. Es ist ein Studebaker mit Jahrgang 1949. «Ich bringe gerne alte
Dinge wieder in Gang», sagt Anton Fuhrer. In seiner Freizeit hat er den Motor komplett auseinandergenommen, neue Kolben hergestellt, jede Schraube am Chassis gelöst. Dazu macht er sich auch moderne Technik zunutze. Wenn er ein Problem hat, postet er es im sozialen Netzwerk Facebook. «Da bekomme ich innert Minuten Antworten aus der ganzen Welt», erzählt er. Selbst konnte er auf diesem Weg auch schon anderen helfen, weil er über ein Original Werkstattbuch des Autos verfügt. Auch Youtube ist eine seiner Lieblingsseiten. Auf der Videoplattform schaut er gerne «Der letzte seiner Art», eine Serie über altes Handwerk wie den Nagelschmied oder den Messerschleifer. «Es ist verrückt, was es früher alles für Berufe gab», sagt Fuhrer zum Schluss unseres Besuches. Bald rattert das Rolltor wieder nach unten. Dahinter lebt die Leidenschaft für Metall und Maschinen weiter. In der Ferne ertönt der Pfiff des Dampfschiffs Lötschberg, in dem auch ein Teil von Fuhrers Hingabe und Handwerkskunst steckt.

Ein alter Bolzen aus der Nassluftpumpe und das modifizierte Teil mit einer Mutter für besseres Handling

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