Versteckt unter Deck gab es auf dem Dampfschiff Lötschberg früher Betten und Räume für die Mannschaft. Was ist davon geblieben? Wir schauen nach.
Ganz vorne im Dampfschiff wird es richtig eng. Hier befindet sich das Bugruder. Es hilft beim Rückwärtsfahren, etwa von Bönigen nach Interlaken. Die blaue Anlage sorgt für den nötigen Druck in der hydraulischen Steuerung. Dahinter erkennt man ein graues, T-förmiges Bauteil. An dessen senkrechter Stange ist das Bugruder befestigt.
Ebenfalls zu sehen ist die Ankerkette. Der moderne Anker ist in die Schiffsschale eingebaut, lässt sich aus dem Steuerhaus per Knopfdruck auswerfen und mit einem Motor wieder einziehen. Die beiden historischen Anker auf dem Hauptdeck werden nicht mehr gebraucht.
Gemütlicher wird es einen Raum weiter hinten, wo sich früher ein Restaurant für die zweite Klasse befand. Heute spielen hier Kinder. Die betreuten Spielkajüten auf den Dampfschiffen Lötschberg und Blümlisalp sind einzigartig in der Schweiz. Möglich machen das die Dampferfreunde, die sich an den Kosten beteiligen. Ihr Präsident David Beeler bringt es auf den Punkt: «Zufriedene Kinder gibt zufriedene Eltern oder Grosseltern.» Dank dem Seepass und anderen Fahrausweisen können Kinder gratis oder sehr günstig mitfahren. «Und wenn der Gedanke an die Spielkajüte aus dem ‘Uuh – schoo wieder’ ein ‘juhui – aber ufs Dampfschiff, mit de Schpielkajüte, gäll!’ werden lässt, dann ist der Dampferfreunde-Nachwuchs auch gesichert.»
Wo einst die Maschinisten ihre Kabine hatten, wird heute Trinkwasser aufbereitet. Zudem ist hier die Not-Strom-Anlage untergebracht. Mit ihr kann das Dampfschiff auch im Störungsfall sicher an die nächste Ländte gefahren werden.
Sie ist das Herz des Schiffs – und ein echtes Original: Die Dampfmaschine treibt die Lötschberg heute noch genauso an wie bei ihrer Jungfernfahrt im Jahr 1914. Neu ist dagegen der Dampfkessel. Versteckt unter der Treppe zur ersten Klasse bleibt er für Passagiere unsichtbar – aber nicht unbemerkt: Wer sich an einem kühlen Tag auf die Holzbänke entlang des Durchgangs setzt, spürt seine wohlige Wärme.
Hier glänzt es von Chromstahl – und statt Schmieröl riecht es nach Frittieröl. Hier werden unter anderen Leckereien die traditionellen, goldbraun frittierten Eglifilets zubereitet.
Ganz hinten im Schiff befanden sich früher die Schlafplätze der Mannschaft: Acht hölzerne Bettstellen sowie Schränke, ein Tisch und ein einfaches Tabouret. Der Steuermann und der Kapitän hatten es etwas komfortabler. Sie hatten eine eigene Kabine.
«Schlafplätze auf Dampfschiffen waren früher weit verbreitet,» sagt der Buchautor Jürg Meister. Da die Betriebszeiten früher länger waren, konnte nicht jedes Schiff am Abend «nach Hause» fahren. «Die ersten Schiffe machten sich um 5 Uhr auf den Weg und die Letzten kamen etwa um 22 Uhr vielleicht in Flüelen, Bouveret … oder eben Brienz an», erklärt Meister. Da bis 1916 keine Bahn entlang des Brienzersees fuhr, um die Besatzung zurück nach Interlaken zu bringen, musste auf dem Schiff übernachtet werden.
Heute ist das nicht mehr nötig. Deshalb wird der Platz als Materiallager genutzt. Auch der Fäkalientank ist hier untergebracht. Dessen Inhalt wird jeden Abend ins Kanalisationsnetz entleert.
Das Heckruder befindet sich übrigens noch weiter hinten. Die Steueranlage ist auf dem Hauptdeck gut zu sehen und wird von den Passagieren als Sitzgelegenheit genutzt.