HISTORISCHES

Grosser Erbauer kleiner Schiffe

Erich Liechti besitzt eine der grössten Flotten der Schweiz. Sie umfasst 142 Schiffe. Gebaut hat er sie alle selber – im Massstab 1 :50.

Erich Liechti sitzt im Schloss Hünegg in Hilterfingen, umgeben von seinem Lebenswerk. 142 Modellschiffe hat er gebaut, das nächste ist in Arbeit: der Schraubendampfer Albis vom Zürichsee. «Er ist heikel, weil er viele Fenster hat», sagt Liechti. Um ein Haar hätten seine kleinen Schiffe dasselbe Schicksal erlitten wie viele ihrer grossen Vorbilder und wären «verschrottet» worden. Denn das Haus der Liechtis war überfüllt mit Schiffen. Im letzten Moment konnte das Schiffsmuseum Hilterfingen gegründet werden, wo die Modelle nun einen sicheren Hafen gefunden haben.

Wasserlinienmodelle

Das Dampfschiff Blümlisalp sieht aus, als hätte es soeben abgelegt. Die Bugfahne flattert im Wind. Man glaubt, die Schaufelräder schlagen zu hören. Wie die meisten Werke von Erich Liechti ist es ein Wasserlinienmodell: Es sieht aus, als würde das Schiff schwimmen. Gebaut hat er die Modelle oft aus Karton, ab und zu aus Holz und selten aus Blech. Gemeinsam ist ihnen allen der Massstab: 1:50. Die Blümlisalp ist also gut 1,20 Meter lang.

Bauen anhand von Fotos statt Plänen

«Das mit Abstand aufwendigste Schiff ist die Stadt Luzern II. Ein heillos schwieriges Schiff», sagt Liechti. Besonders die Glaskuppel hat ihm viel Kopfzerbrechen verursacht. Auf 450 Stunden schätzt er die Bauzeit. Nicht eingerechnet ist da die Zeit, die er mit Planen und Recherchieren verbracht hat. Gerade für seine frühen Schiffe hat er sich mit Fotografien begnügen müssen, weil die Schifffahrtsgesellschaften die Baupläne nicht herausrücken wollten. Erst als er begann, Bücher über Schiffe zu schreiben, erhielt er Zugang zu den Archiven.

Das erste Schiffsmodell

Die Leidenschaft zum Modellbau hat er dank einer Postkarte entdeckt. Bei einem samstäglichen Einkauf im Jahr 1966 stach ihm eine Postkarte mit dem Dampfschiff Beatus ins Auge. Er erinnerte sich, wie er als Bub auf diesem Schiff mitgefahren war. Ein Jahr lang hat er an diesem ersten Modellschiff gebaut. Regelmässige Leserinnen und Leser des Dampf-Blatts erinnern sich, dass auch Jürg Meister seine Leidenschaft für Schiffe über eine Postkarte entdeckt hat (hier gehts zum Beitrag). Das blieb nicht die einzige Verbindung: Die beiden haben während Jahren zusammen Bücher über Schiffe publiziert.

Es geht um spezielle Schiffe

Die Auswahl der Schiffe erfolge nach einem grossen Plan. «Es geht um spezielle Schiffe», erklärt Liechti. Zum Beispiel das erste oder das letzte Dampfschiff eines Sees oder das letzte Schiff einer Fabrik. «Die Sammlung ist nicht planlos entstanden. Deshalb ist es schön, dass sie zusammenbleibt.»

Das Modell des DS Blümlisalp.

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